Schauenburg

Schauenburg

Eigentlich war es schon lange geplant, doch die Burgruine liegt scheinbar zu nah an unserem Wohnort. Nun ist es gelungen. Wir haben sie besucht: Die Schauenburg

Die Reste der Burg befinden sich in Nordböhmen, unweit der kleinen Ortschaft Vysoka Lipa (Hohenleipa). Das ist im Nationalpark Böhmische Schweiz – das Auto muß also in der Ortschaft stehen bleiben. Man sollte sich auch dran halten, denn die Nationalparkverwaltung führt regelmäßige Kontrollen durch und ist nicht sonderlich gut drauf. Nach einigen Wegminuten folgt man an der Orientierungstafel der roten Markierung nach links, die uns direkt bis an die Burgruine führt.

 

Aufstieg zum Fuß der Burg Schauenstein

 

So wechselhaft wie die Geschichte der Burg waren auch die Namen, die man ihr im Volksmund gab. Heute ist Schauenstein oder Räuberschloß Schauenstein (Saunstejn) gebräuchlich, aber auch Loupeznicky hrad oder Loupeznicky zamek (Räuberburg, Räuberschloß) waren gebräuchlich.

Die Gründung der Burg ist nicht mehr genau zu ermitteln. Einige Historiker verweisen auf Ende 13. Jahrhunderts, Mitte des 14. Jahrhunderts, wahrscheinlicher aber ist die Enstehung Mitte des 15. Jahrhunderts. Damals gehörte sie Berka von Duba, der sie zum Schutz der Böhmersteige, aber auch als Signalisierung zum benachbarten Falkenstein nutzte. 1431 wurde die Burg vergeblich von Dresdener Schützen belagert. Damit hörte auch die sinnvolle Verwendung auf, die Burg wurde zum Zentrum des Räuberunwesens der Gegend. Ab 1435 unternahm man von hier aus Raubzüge in das Lausitzer Sechsstädteland. Das ging nicht ohne Verluste ab. So fing man 1441 Hanusch Wolf aus Bensen und brachte ihn zum Verhör zum Bautzener Henker. Die „Aussage“ ist erhalten und noch heut im Bautzner Stadtarchiv zu finden. Über den Verbleib von Hanusch ist nichts überliefert… 1444 hatte man es wohl satt und schickte das Heer des Sechsstädtelandes in Richtung Schauenburg – mit nur mäßigem Erfolg. Die Burg hielt der Belagerung stand. Im gleichen Jahr versuchten sich die Prager und Leitmeritzer Truppen an der Burg und hatten Erfolg. Die letzte Erwähnung findet die Burg 1490 als Schawestein und geriet danach in Vergessenheit. Besonders zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges nisteten sich Diebe und schwedische Desserteure in der Burg ein – aus dieser Zeit stammt der oben genannte Name Räuberburg.

Natürlich hat die Burg auch einen Geist: Ein Miniaturfelsentor ostwärts der Burg hat der Sage nach ein Ritter gebaut, der sich dem Teufel verschrieben hatte. Er spukt heute noch in den Felsen. Und natürlich gibt es auch endlose, zusammengeraubte Schätze: Die sollen sich im Inneren des eigentlichen Burgfelsens befinden…

Aber zurück ins heute:

 

Rekonstruktion

 

Einen guten Überblick zum ehemaligen Aussehen der Burg bietet diese Rekonstruktion der tschechischen Archäologen. Wir erkennen auf dem Felsen ein Hauptgebäude, eine Art Kran und einen Wachturm. Am Fuß der Burg finden sich einige Gebäude. In diesen Gebäuden war wohl die Masse der Besatzung untergebracht.

 

 

Neben diversen Aufnahmen für Holzbalken im Fels findet man heute diesen kleinen Raum.

 

 

 

    

 

Der Aufstieg auf das Plateau der Burg ist in einigen Reiseführern mit den Worten: „Ein gemütlicher Zutritt ist durch Leitern mit Brücken gesichert und die obere Plattform ermöglicht eine schöne Aussicht in die Gegend“ beschrieben :-)) (NejsevernejsiChechy – pruvodce, Prag 1997) Na ja, unter gemütlichem Zugang verstehe ich etwas anderes… Leitern, Treppen und sonstige Sicherungen sind nicht unbedingt DIN- gerecht. In Deutschland würde man da keinesfalls Leute hochklettern lassen und den TÜV- Techniker würden Anfälle plagen. Wer nicht schwindelfrei und trittsicher ist, sollte den Aufstieg sein lassen und nach meiner Meinung gehören auch Kinder bis 11, 12 Jahre nicht mit aufs Plateau.

 

 

Oben angekommen ist zu erkennen, dass es sich bei dem Plateau nicht um eine homogene Felsfläche handelt. Sandsteintypisch durchziehen den Gipfel viele Spalten, die heute mit Eisenträgern und Stahlblechen gesichert sind.

 

 

Über dieser rechteckigen Vertiefung stand einmal das Hauptgebäude der Burg. Bedingt durch das Baumaterial Holz ist heute nichts mehr von diesem Gebäude übrig geblieben.

 

  

 

Über diese Zisterne streiten die Archäologen. Sie befindet sich am höchsten Punkt der Burg und ist aus dem Sandstein krugförmig herausgearbeitet. Der Durchmesser oben beträgt ungefähr 1,10 m, unten in 3 Meter Tiefe sind es ca. 2,20 m. Es gibt verschiedene Theorien, wozu sie gedient haben könnte. Im Gespräch sind Aufbewahrungsort für Getreide, Wasserspeicher oder auch Gefängnis.

 

  

 

Ein weiteres Rätsel verbirgt sich in einem kleinen, unscheinbaren Raum unterhalb des Hauptgebäudes. Wir finden hier eine Art Sitzbank. Das Geländer links auf dem unteren Bild verhindert den Fall in eine Spalte, die bis auf das Niveau des Burgzuganges führt. Hier haben tschechische Archäologen 1977 Reste eines Ofens aus Stein und Lehm gefunden. Rechtsseitig finden sich zwei kleine Rauchabzugsöffnungen. Die Funktion des Raumes ist aber heute nicht mehr nachzuvollziehen.

 

 

Detail aus dem oben gezeigten Raum. Die Spuren des Schlägels sind mit Sinter versetzt, wodurch sie plastisch zu Tage treten.

 

 

Der Schauenstein ist auch anspruchsvoller Klettergipfel. Wie es sich gehört, auch mit einem Gipfelbuch, das für den „Normalbesucher“ nicht zu erreichen ist. Hier hat ein Depp wieder vergessen, die Box zu verschließen.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, die Burg einmal auf nicht gewöhnlichen Wegen zu besuchen: Die vorhandenen Sicherungsmittel machen auch keinen guten Eindruck….
Fazit: Die Burgruine ist wegen ihrer Geschichte und den heute noch vorhandenen Sehenswürdigkeiten für jeden historisch interessierten Menschen einen Besuch wert. Man sollte schwindelfrei sein und nicht unbedingt zu den sicherheitsbedürftigen Menschen gehören. Beim Klettern sollte unbedingt auf eigene Zwischensicherungen zurückgegriffen werden.
 
© Dieter TD/ PeMü 2002